Einleitung: Die unsichtbare Hürde – Wenn Investitionen unter die Lupe genommen werden

Sehr geehrte Investoren, die Sie gewohnt sind, auf Deutsch zu lesen, herzlich willkommen. Mein Name ist Liu, und ich blicke auf über 14 Jahre Erfahrung in der Registrierungsabwicklung zurück, davon 12 Jahre im Dienst für ausländische Unternehmen bei der Jiaxi Steuer- und Finanzberatungsgesellschaft. In dieser Zeit habe ich unzählige Investitionsprojekte begleitet – von der ersten Euphorie bis zur erfolgreichen Umsetzung. Doch ein Thema taucht immer wieder auf und sorgt bei vielen für Stirnrunzeln: die nationale Sicherheitsüberprüfung. Viele fragen sich: "Warum wird mein eigentlich harmloses Investment plötzlich als sicherheitsrelevant eingestuft?" Die Antwort liegt oft in der Branche selbst. Dieser Artikel nimmt sich genau dieser Frage an: In welchen Branchen können Investitionen eine Sicherheitsüberprüfung auslösen? Wir schauen hinter die Kulissen der Gesetzgebung, teilen Erfahrungen aus der Praxis und geben Ihnen eine Landkarte für Ihr Investment an die Hand. Denn Vorbereitung ist alles, und zu wissen, wo die Stolpersteine liegen könnten, ist der erste Schritt zum Erfolg.

Kritische Infrastruktur: Das Rückgrat der Nation

Beginnen wir mit dem offensichtlichsten Bereich: der kritischen Infrastruktur. Darunter fallen Energieversorger (Strom, Gas, Öl), Wasserversorgung, Telekommunikation, Transport (Häfen, Flughäfen, Schienenverkehr) und Finanzdienstleistungen. Warum sind diese so sensibel? Ganz einfach: Ein Ausfall oder eine feindliche Übernahme könnte die nationale Sicherheit und den Alltag der Bevölkerung massiv beeinträchtigen. Stellen Sie sich vor, ein ausländisches Staatsunternehmen würde die Kontrolle über ein regionales Stromnetz oder einen wichtigen Seehafen erlangen. Die Sorge vor politischer Einflussnahme oder gar Sabotage ist hier nicht vom Tisch zu wischen. Die Behörden prüfen hier besonders genau, wer der ultimative wirtschaftliche Nutznießer (der sogenannte "ultimate beneficial owner", UBO) ist und ob Verbindungen zu ausländischen Regierungen bestehen. Ein Fall aus meiner Praxis: Ein europäischer Fonds wollte in ein deutsches Unternehmen investieren, das Software für kleinere Stadtwerke entwickelte. Auf den ersten Blick harmlos. Doch da die Software die Steuerung von Netzkomponenten beinhaltete, landete das Vorhaben schnell auf dem Tisch der Prüfbehörden. Die Lösung war eine klare Trennung der Vermögenswerte und eine transparente Offenlegung der Investorenstruktur bis zur letzten Ebene.

Die Prüfung konzentriert sich hier nicht nur auf Eigentumsverhältnisse, sondern auch auf den Zugang zu sensiblen Daten. Bei einem Investment in einen Telekommunikationsdienstleister geht es beispielsweise um Metadaten und die Integrität der Netze. Die Behörden fragen: Könnten durch diese Investition Abhörmechanismen eingebaut oder Datenströme umgeleitet werden? Die rechtliche Grundlage bildet hier das Außenwirtschaftsgesetz (AWG) mit seiner speziellen Sektorliste. Meine persönliche Einsicht nach vielen solcher Fälle: Transparenz schafft Vertrauen. Je früher und umfassender Sie die Investorenkette offenlegen und potenzielle Bedenken proaktiv ansprechen, desto höher ist die Chance auf eine reibungslose Genehmigung. Versuchen Sie nicht, Strukturen zu verschleiern – das weckt nur Argwohn.

Hochtechnologie und Dual-Use-Güter

Der Bereich Hochtechnologie ist ein Minenfeld für unbedarfte Investoren. Hier geht es um Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können – sogenannte Dual-Use-Güter. Dazu zählen fortschrittliche Werkstofftechnik, bestimmte Chemikalien, Hochleistungsrechnen (KI-Chips!), Luft- und Raumfahrttechnologie, Quantentechnologie und fortschrittliche Sensoren. Die Sorge des Staates ist, dass durch die Investition kritisches Know-how und Produktionskapazitäten ins Ausland verlagert werden und so die technologische Souveränität und Verteidigungsfähigkeit geschwächt werden. Ein Klassiker ist die Halbleiterindustrie. Der Kauf einer kleinen, spezialisierten Chipfabrik kann bereits eine Überprüfung auslösen, wenn deren Technologie als strategisch eingestuft wird.

Ich erinnere mich an einen Mandanten, der in ein Startup für spezielle Bilderkennungssoftware investieren wollte. Die Software war für industrielle Qualitätskontrolle gedacht. Was der Investor nicht wusste: Die zugrundeliegenden Algorithmen ließen sich ohne große Modifikation auch für militärische Drohnen nutzen. Das Verfahren zog sich in die Länge. Die Lehre daraus: Eine gründliche Due Diligence muss auch die potenzielle Dual-Use-Relevanz der Technologie einschließen. Man sollte sich nicht nur auf die beabsichtigte zivile Anwendung verlassen. Fachgutachten können hier Klarheit schaffen. Die Behörden orientieren sich stark an internationalen Exportkontrolllisten (wie der EU-Liste oder den Wassenaar-Arrangement-Listen). Wenn Ihre Zieltechnologie darauf steht oder nahe daran ist, sollten Sie mit einer intensiven Prüfung rechnen.

Gesundheitswesen und Biotechnologie

Die Pandemie hat die strategische Bedeutung des Gesundheitswesens schonungslos offengelegt. Investitionen in diesem Sektor werden heute mit anderen Augen gesehen. Besonders sensibel sind: die Herstellung kritischer Arzneimittel (z.B. Antibiotika, Impfstoffe), medizinische Schutzausrüstung, Hochsicherheitslabore (BSL-3/4) und personenbezogene Gesundheitsdatenbanken. Der Staat möchte verhindern, dass die Versorgung der Bevölkerung mit lebenswichtigen Medikamenten oder Schutzmaterial von ausländischen Interessen abhängt oder gesteuert werden kann. Ein konkreter Fall: Der geplante Erwerb eines deutschen Herstellers für medizinische Einwegartikel durch einen ausländischen Finanzinvestor wurde geprüft, weil das Unternehmen in der Krise als "systemrelevant" eingestuft worden war.

Ein weiterer brisanter Punkt sind genetische Daten. Investitionen in Biotech-Firmen, die große Genom-Datenbanken besitzen oder aufbauen, berühren Fragen der Privatsphäre und der biologischen Souveränität. Wer hat Zugriff auf den genetischen Code einer Bevölkerung? Könnten diese Daten für biologische Waffenforschung missbraucht werden? Diese Fragen sind nicht mehr Science-Fiction. Aus verwaltungstechnischer Sicht ist hier die Herausforderung, dass die Behörden oft fachlich überfordert sind, die komplexen Technologien vollumfänglich zu bewerten. Das führt zu langen Prüfzeiten und oft zu sehr vorsichtigen, restriktiven Entscheidungen. Mein Rat: Bereiten Sie eine verständliche, nicht-technische Erklärung Ihrer Technologie und ihrer ausschließlich zivilen Anwendungen vor. Bauen Sie Brücken zu den Prüfern.

Medien und Meinungsbildung

Dieser Bereich wird oft unterschätzt. Investitionen in Verlagshäuser, Rundfunksender, große Online-Nachrichtenportale oder Social-Media-Plattformen mit großer Reichweite können sehr wohl eine Sicherheitsüberprüfung auslösen. Der Grund liegt auf der Hand: Medien haben eine enorme Hebelwirkung auf die öffentliche Meinung und die demokratische Willensbildung. Der Staat hat ein legitimes Interesse daran, dass diese "vierte Gewalt" nicht unter die Kontrolle ausländischer Mächte gerät, die möglicherweise Desinformation oder Propaganda betreiben wollen. Es geht hier weniger um kleine Fachzeitschriften, sondern um Medien mit massenhafter Verbreitung.

Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit sind Diskussionen um Beteiligungen an großen deutschen Zeitungsverlagen oder regionalen TV-Sendern. Die Prüfung fragt: Steht der Investor einer ausländischen Regierung nahe? Verfolgt er mit der Investition eine politische Agenda? Gibt es Risiken für die redaktionelle Unabhängigkeit? Die Krux hier ist oft die Definition von "Meinungsmacht". Ab welcher Reichweite oder Marktstellung wird ein Investment relevant? Das ist nicht immer klar umrissen. Meine Erfahrung zeigt, dass hier auch der politische Zeitgeist eine Rolle spielt. In Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen wird die Latte höher gelegt. Investoren sollten eine klare Charta zur redaktionellen Unabhängigkeit und Transparenz bei der Eigentümerstruktur vorlegen können. Das kann Bedenken zerstreuen.

Land- und Forstwirtschaft (Flächen & Saatgut)

Das Thema klingt banal, ist aber von hoher strategischer Bedeutung. Investitionen in große landwirtschaftliche Flächen, insbesondere in grenznahen Regionen oder von besonderer ökologischer Bedeutung, können geprüft werden. Es geht um die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und die Kontrolle über strategische Ressourcen wie Wasser und Boden. Noch kritischer ist der Bereich Saatgut und Pflanzenzüchtung. Unternehmen, die über wertvolle Genbanken oder patentiertes Hochleistungssaatgut verfügen, sind Schlüsselakteure für die Ernährungssicherheit. Eine Übernahme durch ausländische Konzerne könnte zu Abhängigkeiten führen.

Ich habe einen Fall begleitet, bei dem ein ausländischer Investor Ackerland pachten wollte, um darauf eine Photovoltaik-Anlage zu bauen. Die Fläche lag jedoch in einer Region, die als wichtige Kornkammer galt. Die Behörde prüfte, ob die dauerhafte Umwidmung von Ackerland die regionale Versorgungskapazität gefährden würde. Es wurde ein Kompromiss gefunden, bei dem ein Teil der Fläche weiter landwirtschaftlich genutzt wurde. Die größte Herausforderung in diesem Sektor ist die oft kleinteilige und lokal unterschiedliche Rechtslage. Bund, Länder und sogar Kommunen haben hier Mitspracherechte. Eine frühe Einbindung aller beteiligten Behörden ist hier absolut entscheidend, um böse Überraschungen zu vermeiden. Man muss die Emotionen und politischen Sensibilitäten rund um das Thema "Heimat" und "Nahrung" ernst nehmen.

Investitionen in welchen Branchen können eine Sicherheitsüberprüfung auslösen?

Zusammenfassung und Ausblick

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Trigger für eine Sicherheitsüberprüfung vor allem in Branchen mit strategischer Bedeutung für die Volkswirtschaft, die Versorgungssicherheit, die technologische Souveränität oder die öffentliche Meinungsbildung liegen. Die genannten Sektoren – kritische Infrastruktur, Hochtechnologie, Gesundheitswesen, Medien und Landwirtschaft – sind die klassischen Kandidaten. Der gemeinsame Nenner ist stets das potenzielle Risiko einer Einflussnahme durch ausländische Akteure auf essentielle Staatsfunktionen.

Die Bedeutung dieses Themas wird meiner Einschätzung nach weiter zunehmen. Die Welt wird fragmentierter, und der Wettbewerb um Technologieführerschaft verschärft sich. Ich rechne damit, dass die Prüfungen nicht nur häufiger, sondern auch inhaltlich tiefer werden. Künftig könnten auch Bereiche wie Klimatechnologie oder die Lieferketten für kritische Rohstoffe stärker in den Fokus rücken. Für Investoren bedeutet das: Die Phase der Due Diligence muss um eine gründliche "Security & Sovereignty Assessment"-Komponente erweitert werden. Holen Sie sich frühzeitig kompetenten rechtlichen und beratenden Beistand, der die Praxis kennt. Gehen Sie transparent und proaktiv auf die Behörden zu. Ein Investment, das eine Überprüfung auslöst, ist nicht automatisch tot – aber es erfordert Geduld, strategische Kommunikation und oft kreative Lösungen, um die sicherheitspolitischen Bedenken auszuräumen.

Einsichten der Jiaxi Steuer- und Finanzberatung

Bei der Jiaxi Steuer- und Finanzberatung haben wir in über einem Jahrzehnt Begleitung ausländischer Investoren ein klares Muster erkannt: Die erfolgreichsten Projekte in sensiblen Branchen sind jene, die die Sicherheitsüberprüfung nicht als lästiges Hindernis, sondern als integralen Bestandteil der Transaktionsplanung begreifen. Unser Ansatz ist präventiv. Noch vor der Unterzeichnung des Letter of Intent analysieren wir die Zielgesellschaft und die geplante Transaktionsstruktur auf potenzielle "red flags" aus Sicht des AWG. Wir empfehlen oft, parallel zur finanziellen und steuerlichen Due Diligence ein unverbindliches Pre-Clearance-Gespräch mit den zuständigen Behörden zu suchen. Das gibt Planungssicherheit. Ein praktisches Tool, das wir entwickelt haben, ist ein "Sovereignty Impact Assessment"-Framework, das hilft, die kritischen Assets und Datenströme des Zielunternehmens zu identifizieren und Schutzmaßnahmen (wie Firewalls für bestimmte Daten, deutsche Geschäftsführer für kritische Tochtergesellschaften) schon im Business Plan zu verankern. Die Krux liegt oft im Detail: Eine harmlos erscheinende Cloud-Infrastruktur, auf der Kundendaten liegen, kann zum Deal-Breaker werden, wenn der Serverstandort nicht stimmt. Unsere Erfahrung ist: Mit einer durchdachten, kooperativen Strategie lassen sich auch komplexe Prüfverfahren navigieren. Der Schlüssel ist, die Sprache der Sicherheit zu sprechen und die legitimen Anliegen des Staates ernst zu nehmen, ohne die wirtschaftliche Rationalität des Deals aus den Augen zu verlieren.